Wer braucht schon Startzeiten?

Auch am zweiten Wochenende des stadtweiten Vergleichs der Sportschützen blieb die Frage, wie viel Stadt noch in der Stadtmeisterschaft steckt, bestehen, wenngleich sich die Protagonisten geändert hatten. Mit Luftpistole, 25-Meter-Pistole (Sportpistole), 50-Meter-Pistole (Freie Pistole) sowie Luftpistole Auflage und Sportpistole beidhändig für die Seniorenklassen standen in der Sporthalle Krefelder Straße die Kurzwaffen-Disziplinen an, wie üblich dominiert vom starken Aufgebot des PSV Duisburg – nur mit Ausnahme der Luftpistole Auflage, die fast ausschließlich vom BSV Wedau bestritten wurde. In den Herren- und Damenklassen traten einzig der Beecker Bürgerschützenverein, ETuS Wedau und der BSV Rheinhausen-Bergheim in Konkurrenz zu den PSVlern.

Hatten im Vorfeld zumindest bei den Rheinhausern falsche und fehlende Startzeiten für Verwirrung gesorgt, war das Langwaffen-Wochenende doch alles in allem glatt verlaufen. Das Kurzwaffen-Wochenende dagegen war von hohem Maß an Frust geprägt – was keinesfalls an den erreichten Leistungen lag. Auch die altersschwachen Anlagen an der Krefelder Straße hielten tapfer der ungewohnten Dauerbelastung stand. Ein einzelner Ausfall auf der 50-Meter-Anlage und eine zuvor schon beschädigte und kurzfristig nicht zu reparierte Beleuchtung auf dem 10-Meter-Stand waren kompensierbar, zumal auf der 50-Meter-Anlage am Samstag ohnehin nur die Präzisions-Durchgänge der Sportpistole geschossen wurden, bei denen – entsprechend der Standkapazität auf der Duell-Anlage – nur jeweils fünf Schützen gleichzeitig starten konnten.

Umso unverständlicher erschien es, dass bereits im Laufe des Vormittags sich die Starts der einzelnen Lagen derart verzögerten, dass am Nachmittag die vorab ausgegeben Startzeiten überhaupt nicht mehr beachtet wurden.

Vor allem für die Luftpistolen-Schützen des BSV Rheinhausen-Bergheim mit der gemeinsamen Startzeit 14:15 Uhr geriet dies zum Ärgernis. Knapp 25 Minuten vor ursprünglichem Beginn der Lage, drei Rheinhauser waren eben erst eingetroffen, erging der Aufruf: Wer jetzt Luftpistole schießen will, kann auf den Stand. Vier BSV-Schützen ergatterten einen Platz, die übrigen drei mussten über eine Stunde warten. Dass zwischenzeitlich die Starter außerdem noch vor ihrer Startzeit als nicht angetreten in den Ergebnislisten geführt wurden, sorgte für zusätzliche Irritation.

Am Sonntag waren für die Freie Pistole zwei Bahnen je Startzeit vorgesehen. Als die BSV-Starter an der Reihe waren, sollte die Lage bereits knappe 30 Minuten früher beginnen, so dass einzelne Schützen herbeitelefoniert wurden – auch am Samstag schon Praxis. Eine optimistischen Annahme, die Sportler stünden den ganzen Tag für den Wettkampf Gewehr, bzw. in diesem Fall Pistole bei Fuß. Am Ende fanden sich die Rheinhauser zu dritt mit zwei weiteren Teilnehmern im Wettkampf wieder.

Immerhin, über die Ergebnisse konnte der BSV Rheinhausen-Bergheim auch diesmal nicht klagen. Pistolen-Spitzenmann Adam Jemiola holte bei den Herren III sowohl in der Luftpistole (356 Ringe) als auch in der Sportpistole (259) Platz zwei und lag damit sogar noch mindestens zehn Ringe unter seiner üblichen Leistung. Ebenfalls Platz zwei sicherte sich erkältungsgeschwächt Martin Breuer mit der Luftpistole bei den Herren I (349), gefolgt von Vereinskollege Mert Ҫetinkaya (276), der seine erste Meisterschaft absolvierte. Auch Christa Jemiola belegte bei den Damen III den dritten Platz (272).

Zwei weitere Stadtmeistertitel für Rheinhausen holte außerdem Volker Tiedtke (Herren II) in der Freien Pistole (217) und in der Sportpistole (271). Auch der Titel in der Luftpistole wäre im Bereich des Möglichen gewesen. Allerdings wurde der Abzugswiederstand von Tiedtkes Luftpistole als zu leicht befunden – was bei Kreis-, Bezirks- und Landesmeisterschaften bisher nie beanstandet worden war, und auch nicht nur bei ihm an diesem Tag moniert wurde. Mit dem angesichts der Gesamtsituation wohl nötigen Humor hakte er den Wettkampf für sich als erweitertes Training für die anstehenden Kreismeisterschaften ab.

Die Gesamtbilanz der beiden Wettkampfwochenenden lautet für den BSV Rheinhausen-Bergheim nunmehr zwölf Stadtmeistertitel, neun zweite und acht dritte Plätze aus insgesamt 48 Starts – und wieder einmal einen Eindruck hinterlassen zu haben bei den rechtsrheinischen Vereinen, mit denen die Rheinhauser aufgrund der Verbandsstrukturen sportlich frühestens auf Landesverbandseben zusammenkommen.